Eigentlich führt die Schauspielerin Angela Winkler mehr als ein Leben – für die Bühne, für den Film und gleichermaßen für ihre Familie. In »Mein blaues Zimmer« erzählt sie warmherzig und offen von all den Dramen, die im Leben plötzlich eintreten: den verpassten Augenblicken, Möglichkeiten und Unglücken ebenso wie von den Glücksmomenten, Erfolgen und prägenden Begegnungen.
Geboren wurde Angela Winkler in der Uckermark, in Templin. Die Familie floh nach Hamburg, später zog sie nach Erlangen. Ihre Mutter war musisch begabt, der Vater Amtsarzt und gegen den Schauspielunterricht seiner Tochter. Angela Winkler erinnert sich an ihre Anfänge als Schauspielerin am legendären Theater in Castrop-Rauxel und beim Neuen Deutschen Film, an die vielen fast verfallenen Häuser in Italien und Frankreich, die sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Bildhauer Wiegand Wittig, umgebaut und zum Leben erweckt hat. „Alle sieben Jahre sind wir umgezogen, haben zusammen alte, verfallene Häuser aufgebaut, und kaum waren sie fertig, sind wir weitergezogen.“
Wir stehen mit Angela Winkler auf der Bühne und vor der Kamera, begleiten sie bei ihrer Zusammenarbeit mit Regisseuren Zadek, Grüber, Wilson oder Schlöndorff – und bei ihren kleinen und großen Fluchten aus dem Theaterbetrieb. Einfühlsam, auf ihre ganz eigene Art, erzählt sie von ihrer Familie, ihrer Mutter, die über 100 Jahre alt wurde, von der Geburt ihrer vier Kinder und nicht zuletzt vom Altsein als Künstlerin. „Wenn ich auf meine Arbeiten, meine Rollen zurückschaue, bleibt mir vom Leben in dieser Zeit viel mehr in Erinnerung, wo und wie wir in der Zeit lebten, wie groß die Kinder waren, welches Haus, welcher Garten…“
Angela Winkler ist eine außergewöhnliche Frau, die mit eigenem Kopf durch die Welt geht und allem so viel Eigenwilligkeit wie möglich entgegensetzt. Das 240 Seiten starke Buch enthält keine Memoiren im engeren Sinn, sondern mithilfe der Dramaturgin Brigitte Landes sensibel zusammengestellte autobiographische Skizzen, darunter Zitate aus Schulheften, in denen Angela Winkler seit vielen Jahren tagebuchartig reflektiert.
„Das Bodenständige, das Häuslich-Praktische, das Bauen und Gärtnern ‚ohne Arbeitshandschuhe‘ als den Kopf, das Herz und die Seele frei machender Kontrast zum Geistigen. Und dann mit Auto oder Flugzeug von der Scholle direkt ins Schauspielhaus der großen Stadt, wie auch immer die heißt. ‑ ‚Ich brauche den frischen Wind, um im Theater zu arbeiten. Bin kein Stadtmensch und komme bloß nach Berlin, wenn ich hier arbeite. Seit ich Kinder habe, haben wir auf dem Land gelebt‘ – in Ligurien, in der Auvergne, Bretagne oder auf Krautsand, einer Insel in der Elbe.“ (taz)
„Dieses Buch ist ein Geschenk – neugierig und diskret, sinnlich und beredt, von generöser Art und mit dem Charme sinnlicher lebensfreude erfüllt.“
(Irene Bazinger, FAZ)




